Interview mit Jessi von a_girl_and_a_vizsla

DOGANDLIVING:
Liebe Jessi, wie muss man sich den Alltag mit zwei ungarischen Magyar Vizsla vorstellen?

Jessi:
Gute Frage, ich würde sagen „strukturiertes Chaos“ trifft es gut. Einerseits ist unser Alltag durch meinen Job total flexibel, andererseits brauchen die Mädels und ich schon einen klaren Plan, sonst geht es hier drunter und drüber. Ich glaube das Wichtigste ist ein guter Ausgleich zwischen Aktiv- und Ruhephasen. Außerdem variiere ich gerne zwischen schnöden Spaziergängen, Hundesport, Alltagserledigungen (die Hunde begleiten mich nach Möglichkeit immer), größeren Ausflügen und Training. So ist kein Tag wie der andere und weder mir noch den Hunden wird langweilig.

DL:
Wolltest du von Anfang an zwei Hunde?

Jessi:
Nein, es waren nicht direkt zwei Hunde geplant, aber relativ schnell nach Gretas Einzug wuchs der Wunsch. Greta hat unser Leben von Anfang an so sehr bereichert und wir wollten dieses Glück erneut mit einem Vierbeiner teilen. Ich habe dann lange nach Tierschutz- bzw. privaten Abgabehunden geschaut, immer mal wieder einen Auskunftsbogen ausgefüllt und mir Hunde angesehen. Es sollte einfach nie passen und der Zweifel, ob die Entscheidung zum Zweithund überhaupt richtig sei, überwog immer wieder. Das ging ungefähr 2 Jahre so. Jeden Tag habe ich nach Hunden gegoogelt und war total rastlos. Und dann kam Karla. Mit ihrer Züchterin war ich schon lange eng befreundet und sie wollte Karla eigentlich behalten. Ich sah aber plötzlich eine Chance, jetzt oder nie, und habe ihr Karla dann praktisch abgeschwatzt.

DL:
Wie lebt es sich denn nun als Mehrhundebesitzerin?

Jessi:
Also auf der Couch ist jetzt noch weniger Platz. 😉 Ich hatte konkrete Vorstellungen, Wünsche und Erwartungen – und die sind so ziemlich alle in die Hose gegangen. Außerdem hatte ich plötzlich zwei völlig verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Bedürfnissen an meiner Seite. Eine totale Umstellung, mit der ich erstmal lernen musste umzugehen. An manchen Tagen ist es immer noch anstrengend, aber ich würde die Entscheidung natürlich niemals rückgängig machen wollen. Am Ende des Tages überwiegt die Liebe zu den Hunden und das ist alles, was zählt – auch wenn ich ein paar graue Haare mehr habe.

DL:
Der Magyar Vizsla ist aktuell ein sehr populärer Hund. Für welche Menschen findest du die Rasse geeignet?

Jessi:
Der Vizsla ist einfach schön und anmutig, ich verstehe total, dass man sich da beim ersten Anblick direkt verliebt, ist mir ja nicht anders gegangen. Außerdem werden ihm positive Wesenszüge und Charaktereigenschaften zugesprochen. Das hat die Rasse in den letzten Jahren zum absoluten Trendhund werden lassen. Dabei handelt es sich beim Magyar Vizsla um einen Volljagdgebrauchshund, der entsprechend gefordert und gefördert werden muss. Wenn er nicht jagdlich geführt wird, sollte man sichergehen, dass der Hund anderweitig arbeiten kann, also dass er geistig und körperlich ausgelastet ist. Alternativen wären z.B. die Rettungshundestaffel, Mantrailing, Dummyarbeit, oder auch Hundesport wie Agility oder THS. Generell sollte man sich ehrlich die Frage stellen, welche Erwartungen und Anforderungen ich als Hundehalter:in an den Hund und den gemeinsamen Alltag habe und ob das realistisch erfüllbar ist. Was möchte ich vom Hund und was kann ich dem Hund im Gegenzug dafür bieten? Man muss sich wirklich auf den Vizsla und seine Bedürfnisse einlassen können und selbst Spaß an der Arbeit mit dem Hund haben.

DL:
Dein Instagram-Account ist in den letzten Jahren immer mehr gewachsen. Stichwort Verantwortung/Aufklärungsarbeit. Wie gehst du damit um?

Jessi:
Ich bemühe mich nach bestem Wissen und Gewissen, so ehrlich und authentisch zu sein wie es die Plattform ermöglicht. Aufklärungsarbeit in Bezug auf die populäre Rasse, die ich zeige, liegt mir sehr am Herzen. Ich verfasse entsprechende Beiträge, zeige Fotos und Stories bei der Arbeit mit den Hunden und ich tausche mich immer wieder lange und intensiv mit Vizsla-Interessent:innen und Besitzer:innen aus. Ich weiß also um meine Reichweite und die damit einhergehende Verantwortung, die ich – insbesondere als innerstädtisch lebende Nicht-Jägerin – trage.

Vielen Dank liebe Jessi für den kurzen Einblick.

Copyright Bildmaterial: @herr.frido
Interviewpartner: @a_girl_and_a_vizsla